Produktbeschreibungen erstellen: Welche Methode passt zu deinem Katalog?

• von Tobias Schäfer • 8 min read

Vor ein paar Wochen schrieb mir ein Shop-Betreiber. Er verkaufte Industriebedarf – 800 Produkte, bei den meisten stand nur der Herstellertext. Er hatte Wochen damit verbracht, sich über verschiedene Methoden zu informieren: Textagenturen, Freelancer-Plattformen, KI-Tools, Automatisierungslösungen.

„Ich habe mehr Zeit mit Recherchieren verbracht als mit irgendeiner Lösung. Und ich habe noch kein einziges Produkt angefasst.”

Das kenne ich. Die Frage „Wie erstelle ich gute Produktbeschreibungen?” ist eigentlich drei Fragen auf einmal: Wer soll schreiben? Was darf es kosten? Und vor allem: Skaliert das?

In meinem Artikel über KI-Produktbeschreibungen habe ich beschrieben, was ich aus 60.000+ generierten Texten gelernt habe. Aber bevor du entscheidest, wie du KI einsetzt, stellt sich eine grundlegendere Frage: Ist KI überhaupt der richtige Ansatz für dich?

Dieser Artikel vergleicht alle gängigen Methoden – ehrlich, mit echten Kosten und Zeitaufwänden. Keine Verkaufsbroschüre, keine „Top 10 Tools”-Liste.


Das Skalierungsproblem: Warum die Methode von der Kataloggröße abhängt

Die meisten Vergleiche von Produktbeschreibungs-Methoden ignorieren den entscheidenden Faktor: die Anzahl der Produkte.

Rechne kurz mit: Wenn du 10 Minuten pro Beschreibung brauchst – und das ist optimistisch – sind 500 Produkte knapp 83 Arbeitstage. Vollzeit. Ohne Pause. Für Texte.

Deshalb unterteile ich in drei Kategorien:

  • Unter 50 Produkte: Hier funktioniert fast alles. Du kannst jeden Text einzeln schreiben und hast in ein paar Tagen etwas Gutes.
  • 50 bis 200 Produkte: Die Grauzone. Manuell wird es mühsam, aber Automatisierung fühlt sich nach Overkill an.
  • 500+ Produkte: Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Methoden, die bei 20 Produkten super funktionieren, brechen bei 500 zusammen.

Die meisten Shop-Betreiber, die zu mir kommen, sind in der dritten Kategorie – und haben vorher mit Methoden aus der ersten gearbeitet. Deshalb stecken sie fest.


Methode 1: Manuelles Schreiben und Freelancer

Selbst schreiben

Der naheliegendste Weg: Du kennst deine Produkte am besten, also schreibst du die Texte selbst.

Für kleine Kataloge mit Premium-Produkten ist das tatsächlich die beste Methode. Wenn du 30 handgefertigte Möbelstücke verkaufst, willst du jede Beschreibung selbst formulieren – da steckt Herzblut drin, und das merkt der Kunde.

Bei 500+ Produkten? Vergiss es. Nicht weil du es nicht könntest, sondern weil du einen Shop betreibst und keine Content-Fabrik.

Freelancer

Freelancer kosten je nach Qualität zwischen 5 und 20 € pro Beschreibung. Bei guten Textern eher 15–20 €, bei Content-Mill-Niveau eher 5–8 €.

Das Problem ist nicht der Einzelpreis – es ist der Verwaltungsaufwand. Briefings schreiben, Revisionsrunden, Qualitätskontrolle, Tonalität sicherstellen. Bei 500 Produkten und 10 € pro Beschreibung sind das 5.000 € – plus Wochen für Briefing, Revision und Qualitätskontrolle. Allein das Management wird zum Teilzeitjob. Und dann hast du immer noch das Problem, dass verschiedene Freelancer unterschiedlich schreiben.

Agenturen

Content-Agenturen liefern professionelle Qualität mit konsistenter Tonalität. Dafür zahlst du 20–50 € pro Beschreibung. Bei 500 Produkten reden wir von 10.000–25.000 €.

Das ehrliche Fazit: Manuell, Freelancer und Agenturen liefern für kleine Kataloge exzellente Ergebnisse. Ab 200+ Produkten wird es ein Kosten-Zeit-Problem, das immer schwerer zu lösen ist.


Methode 2: Templates und generische KI

Template-basierte Systeme

Manche Shop-Betreiber arbeiten mit Excel-Templates: „[Produktname] ist ein [Kategorie] aus [Material]. Ideal für [Zielgruppe].” Per CSV-Import geht das direkt in den Shop.

Das Ergebnis: Cookie-Cutter-Texte, die Google als das erkennt, was sie sind – maschinell zusammengesetzt. Duplicate Content in neuem Gewand. Für die Übergangslösung mag das gehen, aber langfristig hilft es weder beim Ranking noch beim Verkaufen.

ChatGPT und Claude direkt nutzen

Hier wird es interessant – und ich will fair sein, denn viele Shop-Betreiber nutzen genau diesen Ansatz, und er ist nicht schlecht.

Was gut funktioniert: Die Kosten sind minimal (20 €/Monat für ein Abo), du bist flexibel bei der Formulierung, und für die ersten 10–20 Produkte lernst du unglaublich viel darüber, was einen guten Prompt ausmacht.

Wo es kippt: Keine Shopware-Integration. Kein Batch-Processing. Jedes Produkt einzeln per Copy-Paste. Bei 2–3 Minuten pro Produkt (Prompt formulieren, Ergebnis prüfen, ins Backend kopieren) sind 500 Produkte 16–25 Stunden Arbeit. Das ist eine halbe Arbeitswoche – nur für Texte, die du danach noch SEO-optimieren musst.

Der größte Nachteil: Je mehr Produkte du so erstellst, desto inkonsistenter wird die Tonalität. Du passt deine Prompts an, du bist mal müde, mal motiviert – und nach 200 Produkten merkst du, dass Text 1 und Text 200 aus verschiedenen Shops klingen.

Mein Rat: Fang mit ChatGPT oder Claude an. Ernsthaft. Lerne, was einen guten Prompt ausmacht, was deine Produkte brauchen. Aber plan von Anfang an, dass du ab einer gewissen Menge eine andere Lösung brauchst.


Methode 3: Spezialisierte KI-Plattformen

Hier geht es um Tools, die speziell für E-Commerce-Produktbeschreibungen gebaut wurden – nicht allgemeine KI-Assistenten.

E-Commerce-KI-Plattformen (als Kategorie, es gibt diverse Anbieter) bieten Batch-Processing, vordefinierte Templates für Produkttexte und CSV-Export. Du exportierst deine Produktdaten, lässt sie durch die Plattform laufen und importierst die Ergebnisse zurück.

Shopware-native Lösungen gehen einen Schritt weiter und integrieren sich direkt in den Shop – kein Export/Import-Zyklus. Hier muss ich transparent sein: mitKai ist eine solche Lösung, und ich habe sie selbst entwickelt. Also nimm die nächste Tabelle mit dem Wissen, dass ich nicht völlig neutral bin – die Zahlen sind aber realistisch.

Generische KI (ChatGPT)E-Commerce-PlattformenShopware-nativ
Shopware-IntegrationManuelles Copy-PasteCSV-Export/ImportDirekt
Batch-ProcessingNeinJaJa
Zeitaufwand für 500 Produkte16–25 Stunden2–3 Stundenunter 1 Stunde
Kosten für 500 ProdukteZeit = 500–1.000 €200–400 €/MonatCredit-basiert
Deutsche SprachoptimierungManuell pro PromptEingeschränktNativ

Der Unterschied zeigt sich vor allem im Alltag: Wenn du regelmäßig neue Produkte bekommst (und das tun die meisten Shops), summiert sich der Zeitunterschied massiv.


Der hybride Ansatz: Die 80/15/5-Strategie

Die meisten erfolgreichen Shops, die ich kenne, nutzen nicht eine Methode für alles. Sie kombinieren:

  • 80 % der Produkte: Vollautomatisiert per KI. Das sind die Standardprodukte, bei denen eine solide, SEO-optimierte Beschreibung reicht.
  • 15 % der Produkte: KI-generiert mit leichter manueller Überarbeitung. Top-Seller, saisonale Highlights, Produkte mit hoher Retourenquote (wo bessere Beschreibungen direkt Geld sparen).
  • 5 % der Produkte: Komplett manuell oder vom Profi-Texter. Hero-Produkte, Eigenmarken, Produkte mit emotionaler Kaufentscheidung.

Konkret: Ein Outdoor-Shop mit 800 Produkten lässt 640 Standardartikel per KI beschreiben, überarbeitet die 120 meistverkauften Produkte leicht und investiert in professionelle Texte für seine 40 Flaggschiff-Produkte.

Das klingt nach gesundem Menschenverstand – ist es auch. Aber die meisten Shop-Betreiber versuchen, alle 500 Produkte gleich zu behandeln. Entweder alle manuell (unmöglich) oder alle per KI (verschenkt Potenzial bei den wichtigsten Produkten).


Die Entscheidung: Drei Fragen, die alles klären

Statt einer komplizierten Matrix – beantworte diese drei Fragen:

Frage 1: Wie viele Produkte brauchst du?

  • Unter 50 → Ein guter Freelancer oder ChatGPT reichen völlig aus.
  • 50 bis 200 → Eine E-Commerce-KI-Plattform spart dir Wochen. Oder ein motivierter Freelancer mit gutem Briefing.
  • 500+ → Du brauchst Automatisierung. Alles andere frisst dein Budget oder deine Zeit auf.

Frage 2: Was ist dein Budget?

  • Klein (unter 1.000 €) → ChatGPT/Claude mit guten Prompts. Investiere die Zeit ins Lernen.
  • Mittel (1.000–5.000 €) → E-Commerce-KI-Plattform oder eine Kombination aus KI und Freelancer für die Top-Produkte.
  • Groß (5.000+ €) → Du hast die Wahl. Agentur für Premium-Produkte, Automatisierung für den Rest.

Frage 3: Welche Plattform nutzt du?

  • Shopify/WooCommerce → Die meisten E-Commerce-KI-Plattformen unterstützen diese Shops gut.
  • Shopware → Hier lohnt sich eine Shopware-native Lösung wie mitKai besonders, weil der Export/Import-Zyklus entfällt.
  • Eigenes System → Du brauchst eine API-basierte Lösung oder einen individuellen Ansatz.

Die häufigsten Fehler

Egal welche Methode du wählst – diese Fallen lauern überall:

Duplicate Content übernehmen. Herstellertexte einfach so in den Shop stellen ist der häufigste Fehler. Google erkennt identische Texte und belohnt niemanden dafür. Jede Beschreibung muss einen einzigartigen Blickwinkel haben – Nutzen statt Features, deine Zielgruppe statt alle.

Keyword-Stuffing. „Sneaker kaufen Sneaker günstig Sneaker online Shop Sneaker” – das hat 2015 nicht funktioniert und funktioniert heute erst recht nicht. Schreib für Menschen, nicht für Crawler. Wenn der Text natürlich klingt, stimmt die SEO meistens von allein.

Produktspezifika ignorieren. Ein Template, das für alle Produkte gleich klingt, ist kaum besser als gar kein Text. Die Beschreibung eines Wanderschuhs sollte anders klingen als die eines Zeltes – auch wenn beide im gleichen Shop stehen. Gute KI-Texte brauchen Produktdaten als Input, nicht nur den Produktnamen.

Keine Conversion-Optimierung. Produktbeschreibungen sollen verkaufen, nicht nur informieren. Features auflisten reicht nicht – du musst dem Kunden erklären, warum dieses Feature für ihn wichtig ist. „Wasserdicht bis 5.000 mm Wassersäule” sagt den meisten nichts. „Hält dich trocken, auch wenn es den ganzen Tag regnet” – das verkauft.


Fazit: Skalierung verändert alles

Die richtige Methode hängt von deiner Situation ab. Bei 30 Produkten ist ein guter Texter unschlagbar. Bei 800 Produkten ist er unbezahlbar – im wörtlichen Sinne.

Erinnerst du dich an den Shop-Betreiber vom Anfang? Der mit den 800 Produkten und den Wochen voller Recherche? Er hat sich für den hybriden Ansatz entschieden: KI-Automatisierung für den Großteil, manuelle Überarbeitung für seine 40 Top-Seller. Innerhalb von zwei Wochen hatte er für alle 800 Produkte individuelle Beschreibungen – statt weiter zu recherchieren, hat er angefangen.

Es gibt nicht die eine beste Methode. Es gibt nur die Methode, die zu deinem Katalog, deinem Budget und deiner Plattform passt.

Wenn du tiefer in den KI-Ansatz einsteigen willst, lies meinen Artikel über KI-Produktbeschreibungen – dort beschreibe ich im Detail, was gute KI-Texte von schlechten unterscheidet.

Falls du einen Shopware-Shop betreibst und den automatisierten Weg testen willst: Mit mitKai kannst du ein paar Produkte kostenlos beschreiben lassen und selbst sehen, ob das Ergebnis für dich passt. Aber egal welches Tool du nutzt – wichtiger als das Werkzeug ist, dass du anfängst.

Und wenn du dir unsicher bist, welcher Weg für deinen Shop der richtige ist – schreib mir. Ich helfe gern, auch wenn die Antwort nicht „nimm mein Tool” ist.