Deine Produktdaten sind das neue Schaufenster: Shopware-Shops fit machen für KI-Shopping-Agenten

• von Tobias Schäfer • 8 min read

Jemand fragt ChatGPT nach einem 45-Liter-Trekkingrucksack unter 150 €, der weniger als zwei Kilo wiegt. ChatGPT antwortet mit drei Produkten. Keins davon ist deins, obwohl du genau diesen Rucksack verkaufst.

ChatGPT hat deinen Shop nie gesehen. Es hat weder das Theme geladen, für das du eine Agentur bezahlt hast, noch interessieren es die Trust-Badges im Footer. Es hat eine Zeile strukturierter Daten zu deinem Produkt gelesen, sie mit Zeilen aus anderen Shops verglichen, und deine hat verloren. Vielleicht fehlte das Gewicht, oder der Preis im Feed passte nicht zur Produktseite. Vielleicht stand in der Beschreibung „der perfekte Begleiter für jedes Abenteuer” und sonst nichts.

Darum geht es in diesem Beitrag: Für KI-Shopping-Oberflächen sind deine Produktdaten das Schaufenster. Sind die Daten dünn, hat der Agent nichts anderes, das er sich ansehen könnte.

Wer liest was

Vier KI-Shopping-Oberflächen sind gerade relevant (Google AI Mode, ChatGPT, Perplexity und Microsoft Copilot), und sie holen ihre Produktdaten aus weniger Quellen, als man denkt.

Google AI Mode greift auf den Shopping Graph zu, der laut Google mehr als 50 Milliarden Produkteinträge enthält, von denen jede Stunde über 2 Milliarden aktualisiert werden. Dein Shop kommt über das Merchant Center dort hinein. Wenn du schon Google Shopping betreibst, fütterst du ihn bereits.

Perplexity nimmt über sein Händlerprogramm einen Feed im Google-Shopping-Format an, zumindest laut GoDataFeed und den Anleitungen, die ich gefunden habe. Perplexitys eigene Händlerseite konnte ich nicht prüfen, die Details sind also aus zweiter Hand.

OpenAI hat eine eigene Produktfeed-Spezifikation. JSONL ist das Hauptformat, CSV und TSV gehen auch. Google-Format-Dateien werden ebenfalls akzeptiert, mit zwei Haken: Spaltennamen müssen kleingeschrieben und mit Unterstrichen getrennt sein (keine g:-Präfixe aus dem XML-Feed), und Produkte, die so reinkommen, bekommen Suche, aber nie Checkout.

In der Praxis deckt also ein gut gepflegter Google-Shopping-Feed das meiste ab. Der native OpenAI-Feed ist das eine zusätzliche Stück.

Die Felder, auf die es ankommt

Die Pflichtfelder unterscheiden sich je nach Plattform, und die Namen unterscheiden sich sogar dort, wo dasselbe gemeint ist:

Was es istGoogle / PerplexityOpenAI
Produkt-IDiditem_id
Nametitletitle (max. 150 Zeichen)
Beschreibungdescriptiondescription (max. 5.000 Zeichen)
Produktseitelinkurl
Hauptbildimage_linkimage_url
Lagerstatusavailabilityavailability
Preispriceprice (z. B. 79.99 EUR)
Markebrandbrand
Shopname–seller_name

seller_name ist das Feld, das beim Umbau eines Google-Feeds vergessen wird. Brantial nennt es neben falschen Varianten-URLs als typischen Fehler. Logisch: Der Google-Feed hat es nie gebraucht.

Die GTIN ist bei OpenAI optional. Schick sie trotzdem. Google will sie überall dort, wo der Hersteller eine vergeben hat, und genau über sie wird dein Angebot demselben Produkt in anderen Shops zugeordnet. Ohne diese Zuordnung kein Preisvergleich. Hat ein Produkt wirklich keine GTIN (Eigenmarke, Handarbeit, Bundles), schick die mpn oder setz für Google identifier_exists auf no, statt das Feld leer zu lassen und auf das Beste zu hoffen.

Mit den Pflichtfeldern wirst du allerdings nur gelistet. Die OpenAI-Spezifikation hat eine lange Liste optionaler Felder, darunter shipping, return_policy, color, size, weight, dimensions, sale_price, review_count und star_rating. Ein Agent, der Rucksäcke nach Gewicht vergleicht, kann deinen nicht auswählen, wenn das Gewicht nicht im Feed steht. Und das PDF-Datenblatt, das du in der Beschreibung verlinkt hast, liest er dafür nicht.

Was den Vergleich gewinnt

Keine der Plattformen veröffentlicht eine Ranking-Formel. Was sie veröffentlichen, zeigt aber in eine Richtung.

Die OpenAI-Spezifikation verlangt eine „sachliche Produktbeschreibung” und fordert, Preis und Verfügbarkeit aktuell zu halten und den Feed zu aktualisieren, wenn ein Sale beginnt oder endet. GoDataFeed sagt es direkter: Vollständige Felder, ein sauberes Bild und ein korrekter Preis bringen das Rich Result, dünne Daten fliegen raus.

Daraus, plus ein paar Jahren, in denen ich Produktdaten in Shopware-Shops repariert habe, ergibt sich meine Priorität:

  1. Füll die Attribute, nach denen Kunden tatsächlich filtern. Beim Rucksack sind das Volumen, Gewicht und Material. Bei einer Bohrmaschine Spannung, Drehmoment und Akkusystem. Die gehören in Eigenschaften, nicht versteckt in einen Absatz der Beschreibung.
  2. Sorg dafür, dass Feed und Shop übereinstimmen. Ein Feed mit 129 € und „auf Lager” neben einer Produktseite mit 139 € und zwei Wochen Lieferzeit ist der schnellste Weg, das Vertrauen des Agenten und die Policy-Prüfung bei Google zu verlieren.
  3. Ergänz Versandkosten und Rückgaberichtlinie. Keine Quelle, die ich gefunden habe, gewichtet diese Felder ausdrücklich, das ist also meine eigene Schlussfolgerung. Aber ein Agent, der nach „dem günstigsten, das bis Freitag da ist” gefragt wird, kann nur mit Daten antworten, die er hat.
  4. Schreib Beschreibungen neu, die nichts sagen. „Hochwertiger Rucksack für jedes Abenteuer” gibt einem Sprachmodell nichts zum Vergleichen. „1,8 kg, 45 Liter, Nylon 210D, verstellbarer Hüftgurt” schon.

Den letzten Punkt unterschätzen die meisten Shops. Werbetext, der einen Menschen beim Überfliegen einer Produktseite beeindrucken soll, ist für ein Modell, das entscheiden muss, ob dein Produkt zu einer konkreten Anfrage passt, fast wertlos. Ich habe vor einiger Zeit darüber geschrieben, warum Herstellertexte und generische KI-Texte scheitern, und das Argument ist heute stärker: Ein Agent lässt sich nicht beeindrucken, und er liest jedes Wort.

Was Shopware dir mitgibt

Hier gibt es zwei verschiedene Dinge, die man leicht verwechselt.

Shopware 6.7.10.0, erschienen am 6. Mai 2026, hat dem Core einen Verkaufskanal-Typ „Agentic Commerce” hinzugefügt. Er exportiert deinen Katalog als JSONL, bringt eine vorkonfigurierte Vorlage für OpenAIs Merchant Center als ersten Anbieter mit und erfasst KI-Referrals über die Affiliate-Code-Infrastruktur. Shopware kennzeichnet ihn als experimentell, Felder und Formate können sich also zwischen Minor-Versionen ändern. Wenn du auf 6.7.10 oder neuer bist, ist er schon in deiner Installation; die Release Notes haben die Details zur Einrichtung.

Davon getrennt gibt es die kostenlose Erweiterung Agentic Commerce (Beta), Open Source auf GitHub unter MIT-Lizenz. Sie läuft ab 6.5.8, erzeugt sowohl einen OpenAI-JSONL-Feed als auch einen Google-Shopping-XML-Feed und legt Discovery-Dateien wie /llms.txt und /.well-known/ai-catalog.json an. Außerdem implementiert sie das Universal Commerce Protocol, den Standard, den Google und Shopify im Januar 2026 vorgestellt haben. Damit können Agenten direkt mit Warenkorb, Checkout und Bestellungen arbeiten, statt nur einen Katalog zu lesen. Die Shopware-Doku mappt Farbe, Größe, Geschlecht und Material auf Feed-Attribute und verlangt eine URL zur Rückgaberichtlinie.

Ein Satz in dieser Doku ist wichtig, wenn du aus Deutschland verkaufst: Die Registrierung für den ChatGPT-Marketplace ist derzeit nur in den USA möglich.

Beides sind Leitungen. Sie bringen deine Produktdaten zu den Plattformen, und zwar genau so, wie sie sind. Wenn bei 40 % deiner Produkte das Gewicht fehlt, fehlt es im Feed bei 40 % deiner Produkte. Keins der beiden Tools repariert die Daten.

Ein Audit für einen Nachmittag

Bevor du irgendetwas davon konfigurierst, schau, wo du stehst. In der Shopware-Administration oder mit einem Export deines Katalogs:

  • Zähl die Produkte ohne GTIN oder Herstellernummer. Zähl die Produkte ohne Marke. Diese beiden Zahlen allein sagen schon viel.
  • Nimm deine zehn umsatzstärksten Kategorien und notier für jede die drei Eigenschaften, nach denen ein Kunde filtern würde. Prüf, wie viele Produkte in der Kategorie alle drei gepflegt haben.
  • Nimm zwanzig zufällige Produkte und vergleich Preis und Verfügbarkeit in deinem Google-Feed mit dem, was die Produktseite gerade anzeigt. Eine Abweichung ist ein Bug. Fünf sind ein Prozessproblem.
  • Öffne deine robots.txt und prüf, ob sie KI-Crawler wie OAI-SearchBot oder PerplexityBot blockiert. Eine DOSS-Studie vom August 2026 hat 500 große Händler und Plattformen untersucht: Etwa 10 % sperren sie aus, bei Bekleidung und Dessous sind es 21 %.
  • Lies zwanzig Beschreibungen und frag dich bei jeder: Könnte ein Fremder allein mit diesem Text beantworten, ob das Produkt zu seinem Bedarf passt? Wenn die Antwort meistens „nein” ist, hast du dein größtes Projekt gefunden.

Im letzten Punkt steckt bei Shops mit ein paar tausend Produkten die meiste Arbeit. In einem früheren Beitrag habe ich die Wege verglichen, das anzugehen (selbst schreiben, Freelancer, Agentur, KI). Es ist auch der Grund, warum ich mitKai gebaut habe: Es erzeugt Beschreibungen aus deinen echten Produktdaten und spielt sie zurück in Shopware. Nimm, was zu deinem Katalog passt. Lass die Beschreibungen nur nicht leer, weil der Feed-Export das spannendere Projekt ist.

Ist das alles dringend?

Ehrlich gesagt: Der Kaufteil nicht. In einer im August 2026 veröffentlichten DOSS-Umfrage unter 1.000 US-Verbrauchern gaben 77 % an, einem KI-Agenten einen Teil ihres Einkaufs zu überlassen, mit Produktvergleich weit oben auf der Liste bei 62 %. Nur 6 % aller Befragten würden einen Agenten einen Kauf komplett allein abschließen lassen. OpenAI ist offenbar zu einem ähnlichen Schluss gekommen: Laut Berichten der Fachpresse hat es den Checkout im Chat im März 2026 eingestellt und schickt Käufer jetzt in den Checkout des Händlers. Und wenn du aus Deutschland verkaufst, kannst du dich für das Händlerprogramm von ChatGPT ohnehin noch nicht registrieren.

Beim Vergleichen sieht es anders aus, und das läuft schon heute über Google AI Mode, das dieselben Merchant-Center-Daten liest, die du jetzt schon schickst.

Und die Arbeit zahlt sich auch ganz ohne Agenten aus. Vollständige Attribute lassen deine Google-Shopping-Anzeigen besser matchen. Deine Filter funktionieren. Deine Shopsuche findet Dinge. Marktplätze lehnen weniger Listings ab. Beschreibungen, die echte Fragen beantworten, konvertieren besser auf deinen eigenen Produktseiten, und dort kaufen die meisten deiner Kunden immer noch.

Wenn du in diesem Quartal nur eine Sache machst: Mach das Audit oben und bring die zehn Kategorien in Ordnung, die dir das meiste Geld bringen. Wenn die Plattformen in Europa aufmachen, ist dein Feed bereit, sobald du den Verkaufskanal einschaltest.

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